Am Anfang diesen Jahres gab es in Deutschland (alle Jahre wieder) erneut eine Debatte über das Bildungssystem. Die Jahre zuvor boten der PISA Schock und die Rütli Schule den Anlass, dieses Mal war eine Talkshow von Beckmann, sowie der hart umkämpfte hessische Landtagswahlkampf der Stein des Anstoßes. Zentraler Diskussionspunkt war die umstrittene Schulzeitverkürzung gegen die sowohl LehrerInnen-, SchülerInnen- und Elternverbände aufbegehrten.
Klar, auch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems spielte eine Rolle und schon wieder durfte man in jeder Diskussion einen Satz hören:
“Wir dürfen die Bildungsdiskussion nicht ideologisch betrachten.”
Oh doch! Gerade das müssen wir! Unzählige wichtige schulpolitische Reformprojekte, z.B. die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, die Transformation des Frontalunterrichts zu einem selbstbestimmten Unterricht, die Abschaffung des unsinnigen 45-Minuten Taktes und die bitter nötige Demokratisierung des Schulsystems scheitern nicht an den finanziellen Ausstattungen der Schulen- sie werden vielmehr durch die Hegemonie des ökonomisierten Bildungsbegriffes aufgehalten.
Die Privatisierung des Bildungssystems schreitet rasant voran. Think Tanks, wie Bertelsmann Stiftung oder die Robert-Bosch Stiftung haben es erfolgreich geschafft den Bildungsbegriff zu ökonomisieren. Bildung wird nunmehr als Ware verstanden, einem ständigen Wettbewerb ausgesetzt. Alle Parteien sind diesem wirtschaftlichen Duktus erlegen. Unter Rot-Grün wurden diverse Gesetzesnovellen auf Drängen der Wirtschaft umgesetzt, die Einführung der Studiengebühren in vielen unionsgeführten Ländern erfolgte nach massivem Druck des bertelsmannnahen Centrums für Hochschulentwicklung.
Hinter all diesen “Reformvorhaben” steckt eine eindeutig neoliberal geprägte Ideologie, die Bildung als private Investition in die persönliche Zukunft versteht.
Politischer Pragmatismus bringt uns in der Bildungsdebatte nicht weiter. Wir brauchen wieder progressive BildungspolitikerInnen, die ihr bildungspolitisches Profil an einem eindeutigen Wertekanon ausrichten. Darunter zählen Chancengleich, Solidarität, Toleranz etc. Gerade bildungspolitische Debatten sind immer ideologisch- das ist aber auch grundsätzlich nicht falsch. Vielmehr geht es darum, dass linke BildungspolitikerInnen wieder ein Selbstbewusstsein erlangen ihre bildungspolitischen Konzeptionen vehement zu verteidigen und sich gegen den neoliberal geprägten Bildungsbegriff zu stellen.
Bildnachweis: Viviendo en una sobresaturación von Alfon – Lizenz: CC-BY-NC-ND