Leider besser
jung – grün – progressiv
Out: Parteiteller-Magazine
von Till Westermayer | Flügel

Innerhalb der LINKEN gibt es eine emazipatorische Strömung, als prominentes Gesicht davon ist vermutlich Katja Kipping, gerade wiedergewählte stellvertretende Parteivorsitzende und MdB zu nennen. Diese Strömung gibt seit neustem auch ein Heft heraus, den prager frühling. Die Redaktion wird von Kipping zusammen mit Jörg Schindler, Kolja Möller, Lena Kreck und Norbert Schepers gebildet. Emanzipatorische Linke klingt natürlich gut, deswegen habe ich mir die Erstausgabe des prager frühlings mal kommen lassen (Kostenpunkt 5 Euro, soll dreimal im Jahr erscheinen). Mit dem prager frühling, der sich selbst als »Magazin für Freiheit und Sozialismus bezeichnet«, will die Redaktion »Sozialismus wieder in den Köpfen und Herzen der Menschen mit Frühlingsblumen statt mit dem Aschgrau der WBS70-Wohnblockreihen« verknüpfen.

Das Ergebnis meiner Heftbetrachtung lässt sich zusammenfassen mit: inhaltlich durchaus interessant, in der Kombination von linker Strategie- und Theoriedebatte mit kulturellen Einsprengseln konzeptionell attraktiv, in der Umsetzung aber weniger »Hochglanzmagazin« (Welt am Sonntag), sondern eher eine etwas schickere Studizeitung, in der es manchmal einen Hauch zuviel von Eigenwerbung für weitere Projekte der Beteiligten gibt. Dieser Studizeitungs-Eindruck mag damit zusammenhängen, dass einige der RedakteurInnen und AutorInnen aus Zusammenhängen wie dem »Bündnis linker und radikaldemokratischer Studierender«, JungdemokratInnen/Junge Linke oder solid kommen, jedenfalls keine professionellen TexterInnen sind. Muss ja auch nicht sein, nur passt dann m.E. der selbstgewählte Anspruch »Magazin« nicht so recht. Und staubtrockenes Parteitagschinesisch findet sich durchaus auch. Dafür fehlen gut lesbare, auch mal lange Texte. Statt dessen gibt es Häppchen, die aber dann doch mal schwer im Magen liegen.

Insgesamt hinterlässt das Heft bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen hat es mich neugierig gemacht auf die »emanzipatorische Linke« in der LINKEN. Zum anderen herrscht jedoch das Bild vor, dass die Nachfolgepartei von PDS und WASG – Strömungen und Netzwerke machen so was ja gerne – von den beteiligten Personen ein bißchen zu sehr für den Nabel der Welt gehalten wird.

In der Diskussion in Julias Blog ist das schon deutlich geworden: weit mehr Sinn machen würde aus meiner Sicht eine anspruchsvolle Zeitschrift mit einer emanzipatorisch-linken Grundhaltung. Denn die gibt’s ja nicht nur in der LINKEN, sondern vielleicht weitaus häufiger auch anderswo, z.B. bei uns, und wie der Aufsatz zur »Interventionistischen Linken« zeigt, gerne auch außerhalb von Parteistrukturen. In einer solchen Zeitschrift – einer Art brand eins der Politikblätter – würde ganz automatisch die Institutionenfixiertheit überwunden werden müssen und würden (da finde ich polar mit ihren Schwerpunkten spannend; dafür hat die Zeitschrift aber andere Schwächen) Themen jenseits der Selbstbespitzelung zentral werden. Eine Zeitschrift, die die emanzipatorische Linke klein schreibt, statt sich auf die LINKE zu beschränken, könnte wirklich spannend sein – zum Lesen und als Diskursmedium der parteiübergreifenden Progressiven.

Eine ausführlichere Version dieser Heftkritik habe ich in meinem Blog veröffentlicht.

1 Comment to “Out: Parteiteller-Magazine”

  1. Max sagt:

    Sehr lustig. In der Redaktion tummeln sich ja schon einige Leute aus den ehemaligen LandesschülerInnenvertretungen herum.

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