Leider besser
jung – grün – progressiv
Remix und Crossover – ja, es gibt uns tatsächlich
von Peter Alberts | Allgemein

Robert Zion, der „Held von Göttingen“, hat im Freitag von morgen eine bemerkenswerte theoretische Analyse der Rolle der Grünen im „Crossover-Prozess“, womit nach meinem Verständnis der Versuch gemeint ist, „die Brücken zwischen Grünen, SPD und LINKEn nicht abzubrechen“ geleistet, auf die ich hier einfach mal hinweisen möchte. Aus Robert spricht der studierte Philosoph, die Lektüre ist nicht gerade einfach, aber sie lohnt sich sehr, finde ich.
„Crossover“ klingt nicht von ungefähr ähnlich wie „Remix“; meiner bescheidenen Meinung nach trifft Robert damit ziemlich genau den Versuch einer neuen Generation von Grünen, frische Ideen „für eine nachhaltige Welt, für Ökologie, für eine offene Gesellschaft“ zu entwickeln, was die selbstgestellte Aufgabe dieses Blogs ist.

Es war eine Stärke des erfolgreichen Göttinger Antrags von Robert und anderen, moderne und zeitgemäße grüne Friedenspolitik nicht radikalpazifistisch zu formulieren, sondern anzuerkennen, dass in der Welt nach 1989 mit ihren asymetrischen Konflikten eine völlige Absage an militärische Gewalt nicht weiterhilft, andererseits aber genauso klar das Selbstverständliche zu fordern und dann auch umzusetzen, nämlich dass die Anwendung von militärischer Gewalt niemals ein Selbstzweck sein darf, dass dementsprechend permanent überprüft werden muss, ob ein bestimmter Militäreinsatz anhand klarer, humanitärer Kriterien noch positiv vertreten werden kann und dann, falls diese Frage verneint wird, natürlich für eine Beendigung einzutreten. Das nenne ich undogmatischen Pazifismus, und das ist meiner Meinung nach der richtige Kurs für grüne Friedenspolitik.
Und es ist eine analoge Stärke von Roberts Beitrag im Freitag, die Herausforderungen für eine moderne und tragfähige Sozial- und Wirtschaftspolitik weder auf die „defensive Politik der reinen Verteidigung des Sozialstaates“ noch auf einen „Öko-Kapitalismus“ mit einer paradox gleichzeitig „unsichtbaren“ und „grünen Hand des Marktes“ zu gründen. Robert bringt den Begriff des Post-Fordismus ins Spiel, und das vollkommen zu recht, wenn er schreibt: „Das Festhalten am Wohlstandsmodell der industriegesellschaftlichen Normarbeit … zwingt uns zu permanentem Wachstumsdruck, egal ob neoliberal-angebotsorientiert oder keynesianisch-nachfrageorientiert.“ Genau deswegen ist es richtig, sich auf alt-grüne Wurzeln wie „die Grenzen des Wachstums“ zu berufen und sich daher für das bedingungslose Grundeinkommen stark zu machen. Das ist Remix bzw. Crossover im doppelten Sinne – zum einen wird damit das alte, urgrüne Element des Postmaterialismus aus den 1980er Jahren mit in die aktuelle Diskussion gebracht, zum anderen ist es keine rein „linke“ Position, was zum Beispiel dadurch deutlich wird, dass der wahrlich nicht des links-Abweichlertums verdächtige grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, einen entsprechenden Antrag für den kommenden Landesparteitag in Baden-Württemberg mitträgt.
Kurz gesagt, und genug gelobhudelt: die Remix- und Crossover-Debatte ist lebendiger denn je, und das freut mich einfach, obwohl mir beide Begriffe eigentlich zu postmodern-ironisch sind.

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3 Comments to “Remix und Crossover – ja, es gibt uns tatsächlich”

  1. [...]                                                                                  eine interessante Analyse zur Rolle der Grünen im sogenannten “Crossoverprozess”. Peter Alberts, auch als “munsterian stallion” bekannt, hält diesen Crossoverprozess für den Versuch „die Brücken zwischen Grünen, SPD und LINKEn nicht abzubrechen“. [...]

  2. [...] Auf die Diskussionen um die “Grüne Marktwirtschaft” war ich hier schon mal kurz eingegangen. Mittlerweile gibt es umfangreiches und fundiertes Diskussionspapier unter dem Titel “Grüne Marktwirtschaft? – Öko Kapitalismus!”, nicht nur für die kommende BDK in Nürnberg, das von einer AutorInnengruppe rund um Robert Zion vorgelegt wurde. Mensch findet es hier. Unterstüzung, sowohl von Einzelpersonen als auch von KVs, OVs oder anderen Gremien, ist willkommen. Meldet Euch per mail bei Robert. [...]

  3. Seroquel xr. sagt:

    Seroquel xr….

    Seroquel xr….

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