Der österliche Doppelschlag, erst attac und die GlobalisierungsgegnerInnen zu verprellen und dann, weil’s so schön war, auch noch die Friedensbewegung, verschlägt mir fast die Sprache. Zur Erinnerung: vor ein paar Tagen hat unser Bundesvorstand entschieden, diesen Demoaufruf nicht mit zu unterzeichnen.
Zugegeben: der Aufruf ist – vorsichtig gesagt – nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die G8-Staaten als “Vorreiter einer auf Krieg gestützten Weltordnung” zu titulieren, finde ich auch ziemlich daneben. Weltverschwörungstheorie, ick hör’ Dir trapsen. Natürlich spricht daraus eine ziemlich vereinfachende und auch intellektuell nicht gerade anspruchsvolle Weltsicht. Andererseits sind die Forderungen, die in dem Aufruf aufgestellt werden, in meinen Augen richtig. Warum also nicht unterschreiben und deutlich machen, dass wir an einigen Passagen des Aufrufs durchaus Kritik haben. Lieber kritisch solidarisieren als unsolidarisch kritisieren, hätte hier in meinen Augen die Maxime sein sollen.
Wenig später dann die gemeinsame Pressemitteilung von Claudia Roth und Winni Nachtwei, in der viel Richtiges steht, die aber leider auch eine völlig falsche Botschaft aussendet. Natürlich haben Claudia und Winni recht, dass eine einfache “USA=Böse”-Sicht die Welt keinen Deut sicherer und besser macht. Aber ich frage mich, warum diese Botschaft so und zu diesem Zeitpunkt ausgesandt werden musste. Die Friedens- und Globalisierungskritische Bewegungen brauchen doch nicht uns Grüne als OberlehrerInnen, die ihnen zeigen, wie sie “richtig” demonstrieren. Auch hier: der Schaden, der dadurch angerichtet wurde, überwiegt doch bei Weitem den eventuellen Nutzen, sich von einigen nicht-akzeptablen Strömungen, die bei den Ostermärschen mitmarschieren, abgegrenzt zu haben.
Nach der verlorerenen Bundestagswahl hieß es flügelübergreifend bei Grüns: “Wir müssen wieder stärker Verankerung in den ‘Bewegungen’ finden.” Das war damals richtig und ist es immer noch. Leider ist es nur gerade so, dass diese gewonnene Einsicht von den Grünen zertrümmert und stattdessen von der Linkspartei dankbar aufgegriffen wird.
Wie geht’s denn jetzt weiter, wann distanzieren wir uns von Greenpeace, amnesty, etc.? Und mit wem demonstrieren wir demnächst? Mit dem BDI für soziale Gerechtigkeit? Mit der Putin-Jugend für stabile Demokratie und Gasmärkte? Mit EnBW (was macht eigentlich Rezzo?) für nachhaltigen Atomstrom?
Danke Peter, dass das mal jemand sagt!
(Und weil Julia das bisher nicht gemacht hat: hier ist der dazu passende Beitrag aus ihrem Blog).
Kleines Update: gestern hat der Vorstand des KV Münster nach kontroverser Diskussion mit 5 zu 3 beschlossen, den oben verlinkten G8-Demoaufruf zu unterschreiben.
Vielleicht können ja auch andere KVs auf die Art und Weise dem BuVo signalisieren, dass wir das falsch fanden.
[...] fiel mir wieder ein, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahren mal in einem anderen Blog geschrieben hatte: Nach der verlorerenen Bundestagswahl hieß es flügelübergreifend bei Grüns: [...]