Leider besser
jung – grün – progressiv
Wir sind Klimaschutz! Und wo bleibt die Gesellschaft?
von Maximilian Pichl | Kapitalismus, Ökologie

Ich bin jetzt schon länger in der Umweltbewegung aktiv, sei es bei Greenpeace, dem BUND oder eben der GRÜNEN JUGEND, aber irgendwie bin ich auch etwas von der Umweltbewegung genervt (obwohl es auch einmal interessant wäre zu wissen, was die Umweltbewegung genau ist).

Der überwiegende Teil der Umweltverbände in Deutschland befasst sich ausschließlich mit der Umweltpolitik. Okay, das mag auf den ersten Blick auch logisch erscheinen, aber Umweltpolitik ist vielmehr und muss mehr sein. Jeden Monat hören wir wieder neue Schreckensmeldungen über den Zustand unseres Klimas, gerade letzte Woche ist der neue IPCC Bericht erschienen, der feststellt, dass die Folgen der Klimaveränderung unumkehrbar sind und wir allenfalls noch die Auswirkungen vermindern können.

Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich aber nicht nur auf die Umwelt an sich erstrecken. Neue Kriege werden stattfinden, die globale Flüchtlingssituation verschärft sich aufgrund von Umweltkatastrophen zusehends, neue Krankheiten werden durch die klimatischen Veränderungen entstehen, kurzum: der Klimawandel wird vor allem unsere Gesellschaft verändern.

Leider blenden die Umweltverbände aber gerade diese gesellschaftliche Frage aus, sie positionieren sich in der Regel nicht zu Sozialpolitik, Bildungspolitik, Wirtschaftspolitik etc. Eine wirklich sinnvolle Klimaschutzpolitik kann meiner Meinung nach aber nur dann realisiert werden, wenn sie sich als eine gesamtgesellschaftliche Politik versteht, die darauf ausgelegt ist eine gesellschaftliche Emanzipation zu befördern. Unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen und Maximen werden wir jedenfalls nicht rechtzeitig die Kehrtwende vollziehen und eine nachhaltige Politik umsetzen.

Die neue Klimabewegung wird sich daran definieren, inwieweit sie es schafft sich noch stärker mit den sozialen Bewegungen zu verknüpfen, aber sie muss auch neue Partner für den Klimaschutz gewinnen. Die Gewerkschaften wären hier sicherlich ein interessanter Anknüpfungspunkt, aber auch die LandesschülerInnenvertretungen müssen stärker in die Umweltbewegung integriert werden, schließlich muss der Klimaschutz so früh wie nur möglich anfangen, am besten schon in der Schule

 Maximilian Pichl ist Sprecher der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz.

3 Comments to “Wir sind Klimaschutz! Und wo bleibt die Gesellschaft?”

  1. Christoph sagt:

    Wie wäre es denn statt nur zu meckern einen konkreten inhaltlichen Vorschlag zu machen. Es ist leicht zu kritisieren, Umweltverbände würden sich nicht zu Sozialpolitik, Bildungspolitik und Wirtschaftspolitik zu psoitionieren, aber du gehst ja auch nicht über die bloße Forderung, das solle passieren hinaus. (Ich kennen keinen Umweltverband, der sich nicht(!) zu Wirtschaftspolitik positioniert).
    Über einen inhaltlichen Text von dir, der Sozial-Bildungs und Umweltpolitik zusammen bringt würde ich mich freuen.

  2. Maximilian Pichl sagt:

    Einen richtigen konkreten Vorschlag wollte ich zuerst gar nicht geben, sondern lieber einen Impuls für eine Debatte auslösen.

    Ich will mit dem Text die Umweltbewegung ja auch nicht komplett diffamieren, ich bin ja selber Mitglied bei diversen Umweltgruppen und engagiere mich im Klimaschutz, aber ich vermisse bei der Umweltbewegung eine Modernisierung, die sie teilweise bitter nötig hätte.

    Ich persönlich empfinde es so, dass viele Umweltverbände fast nur noch auf Mitgliederjagd sind und sich mehr um die Betreuung ihrer ehrenamtlichen kümmern, als um die Sache selbst. Der deutsche Naturschutzring hat erst letztens eine Studie veröffentlicht, wo auch aufgezeigt wird, dass der Übergang von Jugendlichen aus dem Jugendverband in den Erwachsenenverband deutlich schlechter funktioniert als bspw. in Parteien.

    Ich wollte mit dem Text außerdem eines ausdrücken: die Umweltbewegung kann eben meiner Meinung nach nur dann einen wirklichen Klimaschutz durchführen, wenn sie sich einen gesamtgesellschaftlichen Anspruch gibt und auch eine politische Emanzipation anstrebt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann ich mir keinen Umweltschutz vorstellen, weil die sozialen Probleme und die Schere zwischen Arm und Reich diesen massiv blockieren, nicht umsonst wird der Umweltbewegung ja ein gewisses elitäres Gehabe vorgeworfen.

  3. Maximilian Pichl sagt:

    Übrigens habe ich hier zwei tolle Reden von Sven Giegold, der mich in dieser Meinung unterstützt:

    http://www.bewegungswerkstatt.org/giegold/downloads/epd_bund_30_jahre.pdf

    http://gruene-berlin.de/site/1930.html

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